Waldprojekt-Wochen mit SchülerInnen
der EG E1 der Käthe-Kollwitz-Schule

Ziel der Projektwoche ist es, Wissen im komplexen Themenfeld Nachhaltigkeit bereitzustellen und erfahrbar zu machen, um einen Anstoß zu bieten, sich auch im Alltag mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Bergwaldprojekt Bild 1

Wälder sind komplexe Lebensgemeinschaften. Gemeinsam mit den Ozeanen bestimmen sie das globale Klima. Ihr Artenreichtum ist unschätzbar. Wald gibt uns Trinkwasser und Luft zum Atmen, Schutz vor Überschwemmungen, Steinschlag und Lawinen, Holz für Häuser, Möbel und Papier. Im Wald finden wir Ruhe, Erholung und Entspannung.
Der Zustand des Waldes in Deutschland ist Besorgnis erregend. Die Waldzustandsberichte belegen dies seit über zwanzig Jahren. Trotz vieler Maßnahmen zur Erhaltung des Waldes gibt es immer noch Schäden und in naher Zukunft müssen neue Aspekte berücksichtigt werden, wie z.B. der Einfluss der Klimaverschiebung.

Mit den Waldschulprojekten will die Organisation „Bergwaldprojekt“ auf die Probleme des Waldes aufmerksam machen, das Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur, die Belange des Waldes und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen insbesondere bei Jugendlichen fördern und auf die Verbesserung der ökologischen und politischen Rahmenbedingen hinwirken.
Die Schüler leisten eine aktiven Beitrag zum Wald-, Klima- und Artenschutz und erleben bei den Arbeiten das Ökosystem Wald mit allen Sinnen, sozusagen „hautnah“.
Ziel der Arbeitseinsätze ist die Verbesserung der Situation des Waldes an den konkreten Projektstandorten. Dabei können Schüler die Wichtigkeit des Waldes und die Notwendigkeit zur Sicherung aller Waldfunktionen direkt erfahren. Dies trägt zur Sensibilisierung für die Belange des Waldes, zur ökologischen Bewusstseinsbildung und zu umweltverträglichem Handeln bei.

Die Tage verlaufen immer sehr strukturiert:
Weckdienst um 6:00 Uhr; Frühstück 6.30 Uhr und Abfahrt um 7.30Uhr/8Uhr zu den Arbeitseinsätzen in betreuten Gruppen im Wald. Bei einer zweiten Frühstücks- und der Mittagspause im Wald werden die Kraftreserven aufgefüllt und die Schüler erhalten wichtige Informationen zur Ökologie des Waldes.
Die vollwertige, vegetarische Versorgung übernimmt immer ein Koch/eine Köchin vom Bergwaldprojekt, der/die für uns ein frisch zubereitetes, abwechslungsreiches warmes und äußerst köstliches Abendessen vorbereitet.

Zu unseren Arbeitseinsätzen gehören zum Beispiel:
Junge Baumpflanzungen (Rotbuchen, Bergahorn, Wildkirsche, Holzapfel, Ulmen)in teilweise schwerem Gelände (Hanglage/Felsböden) mit dafür geeigneten Werkzeugen wie der „Wiedehopfhaue“, wir führen Wegebau und Waldpflege durch. Außerdem bringen wir Verbissschutz an junge Bäumchen, entästen bei Bedarf mit Teleskopsägen, erneuern Zäune, leisten Abräumarbeiten und entfernen eingewachsene Tubex-Wuchshüllen.
Ein großes Problem im Nationalpark Schwarzwald besteht z.B. darin, dass auf großen Flächen eingewanderte, schnell wachsende Pflanzen, wie z.B. Adlerfarn und japanischer Knöterich einheimische Pflanzen verdrängen. Die Pflanzen besitzen keine natürlichen Schädlinge, so dass sie alles überwuchern können. Um sie zu beseitigen werden neue Methoden ausprobiert, die mit dem Naturschutz vereinbar sind.
So wird der Adlerfarn mit Stöcken mehrmals im Jahr umgeschlagen, was mit großem Arbeitsaufwand verbunden ist. Solche Arbeiten werden ebenso an einem Projekttag übernommen.
Das Bauen von Hochsitzen steht bei Gelegenheit auch auf dem Programm.
Erfahrene Projekt- und ausgebildete Forstfachleute leiten uns an und stehen immer für Fragen rund um das Thema Wald und Natur zur Verfügung.
So lernen wir einiges über die Veränderung des natürlich gewachsenen Waldes. Zusätzlich erhalten wir von den Förstern Informationen über Pflanzen, z.B. über die Sumpfdotterblume, das Buschwindröschen, die Milzwurz, den Spitzwegerich, die Schwarzerlen und Weißtannen.
Wir begreifen dadurch, dass Menschen den natürlichen Lebensraum stark beeinflussen. Im Fall des Auerwildes kann dies zu einem Aussterben führen, da dessen Lebensraum durch Infrastrukturprojekte eingeschränkt wird.
Zusätzlich unternehmen wir z.B. mit einem Vertreter der Forstbehörde eine interessante Exkursion oder erhalten eine Einführung und tiefgehende Informationen über den Nationalpark Schwarzwald.
Am Ende der Projektwoche wird das Haus von allen gereinigt und wir verabschieden uns von unserem Betreuungsteam, meist schweren Herzens.
Erschöpft, aber zufrieden und voll mit Eindrücken steigen wir in den Zug Richtung Heimat.

Trotz der körperlich anspruchsvollen Arbeit, des Fehlens von Annehmlichkeiten moderner Gesellschaften wie TV, Internet sowie dem durchstrukturierten Tagesablauf, kommen positive Rückmeldungen in der Reflexion:
„ Ich hätte nie gedacht, dass ich soooo viel arbeiten kann. Und dass es trotz des Muskelkaters überall Spaß gemacht hat.“
„ Die ökologischen Zusammenhänge sind riesig.....habe viel über die Natur dazugelernt.“
„ Die Klassengemeinschaft wurde richtig prima, ...es hat echt viel gebracht.“
„ Wenn ich jetzt an einem Berghang vorbeifahre und die kleinen Bäume sehe, weiß ich, was das für harte Arbeit ist!“
„Ich werde mir die gepflanzten Bäumchen in 30 Jahren mit meinen Kindern anschauen, hoffentlich wachsen die auch alle!“

Derartige Projekte sind zugleich Herausforderungen auf psychischer und sozialer Ebene, die die SchülerInnen in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern. Physisch beinhaltet eine Waldprojektwoche hohe Belastungen, die allerdings durch die Erfahrung des erfolgreichen Handelns im ökologischen Kontext ihre Berechtigung finden.
Naturwissenschaftliche Zusammenhänge werden mit aktiven sozialen Erfahrungen verknüpft und treten so lebendig und lebensweltnah als Lernstoff auf. Der Austausch der SchülerInnen mit den Betreuern verdeutlicht, in welchen Nutzen- und Konsumgrenzen der Mensch seit jeher mit und vom Wald lebt. Dadurch öffnet sich der Horizont eines gemeinsamen Nachdenkens über den zukünftigen Umgang mit unseren Lebensbedingungen am Beispiel Forst.


Die intensive Auseinandersetzung mit der Natur als Lern- und Lebensort, das Ausreizen der eigenen Leistungsfähigkeit und die Freude am gemeinsamen Arbeiten wirken positiv und anhaltend auf Umweltverhalten, Sozialverhalten und Arbeitsmotivation. Somit leistet die EG E1 einen nachhaltigen und ökologisch sinnvollen Beitrag; und hinterlässt positive Spuren im Wald.

Anbei einige Impressionen der letzten Jahre:








LehrerInnen Fr. Pohl, Hr. Dr. Melzer

Großes Arbeitspensum im Stadtwald
Verein „Bergwaldprojekt“: Angehende Ernährungswissenschaftler setzen Tannen-Topfpflanzen
(BADISCHES TAGBLATT / NR. 111 BADENER TAGBLATT DONNERSTAG, 15. MAI 2014)
Mit schwerem Gerät Bäume im Wald gepflanzt
(Donnerstag, 22. Mai 2014 . AUS DEN SCHULEN Ausgabe Nr. 117 – Seite 24,BNN)
Statt ins Klassenzimmer gehts in den Wald
(BNN - Baden-Baden)
Waldschule für biologische Vielfalt
Ein Filmbeitrag (Link zu Youtube)